
Ein marmorner Platzbrunnen im Ortskern, im Schatten der Platanen. Unter Söğüts Sehenswürdigkeiten ist er der jüngste: Er gehört nicht der Gründungszeit an, sondern den letzten Jahren des Osmanischen Reiches.
Wer ließ ihn wann errichten?
Der Brunnen wurde 1919 von Landrat Sait Bey errichtet. Das Datum ist bedeutsam: Dass ein Landrat im Jahr, das als letztes des Reiches gelten kann, in einer eben aus dem Krieg gekommenen Kleinstadt einen Brunnen bauen lässt, sagt etwas über den Fortgang des Alltags.
Er ist im neoklassischen Stil gehalten und gilt als bedeutendes Beispiel der Spätzeit osmanischer Baukunst. Dieser Stil ist eine Wiederaufnahme klassischer osmanischer Formen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert — der Brunnen sieht also alt aus, ohne alt zu sein.
Wie ist er gebaut?
Der Brunnen hat vier Seiten; er steht frei und ist von allen Richtungen zugänglich. In der Mitte dreier Seiten sitzen Becken in Form geriefelter Vasen, zu beiden Seiten davon vergoldete Reliefmotive.
Die Flächen und ihre Spitzbögen sind als Nischen gebildet; Inneres und Scheitel jeder Nische sind mit farbigen Fliesen verkleidet. Das Material ist Kütahya-Fliese und Marmor — der Gegensatz von blau-türkisem Fliesenwerk und weißem Marmor prägt den Bau.
Stellenweise sind Fliesen ausgebrochen. Auf den Fotos ist es deutlich zu sehen: Der Brunnen steht, doch die Oberfläche wartet auf Instandsetzung.
Warum er sehenswert ist
Söğüts übrige Stationen erzählen von der Gründungszeit. Dieser Brunnen ist eine andere Schicht: Er steht für dieselbe Stadt sechshundert Jahre später, am Ende des Reiches. Vom Grabmal zum Brunnen zu gehen heißt, die ganze Geschichte dazwischen zu durchqueren.
Er liegt im Zentrum zwischen Teegärten und Platanen; ein eigener Weg ist nicht nötig — man trifft im Vorbeigehen auf ihn.
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